Umweltbilanz von Kaffeekapseln im Check

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Kaffee aus Kapseln ist eine praktische Sache. Schnell und einfach ist die Zubereitung, die Sortenauswahl ist gross und die Anschaffungskosten einer Kapselmaschine tief. Ein gewichtiger Nachteil von Kapselkaffee ist der entstehende Müll. Materialien wie Aluminium, Plastik, Folien und Kartonverpackung landen häufig im Müll und nur ein kleiner Teil davon wird recycliert. Wie gross ist die Umweltbelastung im Gegensatz zu Filter- oder Instantkaffee und welches Kapselsystem produziert am meisten Abfall? Diese Frage hat die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt kurz EMPA in einer Studie versucht zu beantworten.

Instant- sowie Filterkaffee schneiden am besten ab

Die Forscher der EMPA kommen zum Schluss, dass Filter- sowie Instantkaffee eine deutlich bessere Ökobilanz aufweist. Der ökologische Fussabdruck (in der Grafik als UBP = Umweltbelastungspunkte dargestellt), ist bei diesen beiden Zubereitungsarten rund halb so gross wie beim besten Kaffeekapselsystem. Dieser Vergleich ist nur dann gültig, wenn beim Filterkaffee der gesamte aufgebrühte Kaffee getrunken wird. Bei der Zubereitung von Instant-Kaffee darf zudem nur genau so viel Wasser erhitzt werden, wie anschliessend für den Kaffee verwendet wird.

Ökobilanz Kaffeezubereitung

Copyright EMPA

Vollautomat nicht zwingend besser

Beim Kaffeevollautomaten fällt deutlich weniger Abfall an. Die Bohnen sind jeweils meist ausschliesslich in einem Folienbeutel verpackt. Im Gegensatz zu Kaffeekapseln wird bei der Zubereitung aber mehr Kaffee benötigt als mit den genau dosierten Kaffeekapseln. Bei den meisten Vollautomaten kann die verwendete Menge Kaffee entsprechend eingestellt und angepasst werden. Die Forscher der EMPA haben diesen Umstand entsprechend berücksichtigt, indem sie den Vollautomaten mit Mindestkaffeemenge sowie Maximalkaffeemenge verglichen haben. Wird die Kaffeemaschine mit einer sehr kleinen Bohnenmenge betrieben, ist die Ökobilanz im Gegensatz zu Kapseln deutlich besser. Wird die Kaffeemenge hochgeschraubt verwendet die Maschine deutlich mehr Kaffeebohnen als in den Kaffeekapseln vorkommen. Einige Kapselsystem weisen hier eine bessere Ökobilanz auf als der Vollautomat.

Delizio Kapsel mit der besten Ökobilanz

Laut den Studienverfassern der EMPA macht der Anteil Verpackungsmaterial bei einer Kaffeekapsel durchschnittlich ein Viertel des Gesamtgewichtes aus. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Kapseldesigns sind je nach Bauart und verwendeten Materialien gross. Einige Kapseln sind zudem einzeln verpackt, was die Ökobilanz zusätzlich verschlechtert. Nespresso setzt bei seinen Kaffeekapseln auf Aluminium. Werden diese im Abfall entsorgt und somit der Verbrennung zugeführt, ist die Umweltbilanz eher schlecht. Werden die Kapseln aber dem Recycling zugeführt, ist dies im Vergleich zu allen anderen Kapselsystemen die ökologisch beste Variante. Die Kapseln des Delizio Systems vom Grossverteiler Migros schneiden im Vergleich gut ab. Als Verpackungsmaterial kommt Polypropylen zum Zuge. Dieser Kunststoff ist leicht und kommt mit wenig Material aus. Ein eher schlechtes Ergebnis weisen die Systeme Tassimo sowie Lavazza Espresso Point auf. Grund dafür ist die massive Kunststoffkonstruktion sowie die Einzelverpackung der Kapseln.

Oekobilanz Kaffeekapseln

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Das allerwichtigste ist die Wahl des Kaffees

Die wichtigste Erkenntnis aus der Studie ist aber die Tatsache, dass nicht primär die Art der Zubereitung oder das Verpackungsmaterial die Umweltbilanz beeinflusst, sondern der Kaffee als solches. Je nach Einsatz von Maschinen, Pestiziden und Düngern auf der Plantage variieren die Daten erheblich. Dieser Anteil kann zwischen 1% und 70% an der Gesamtbilanz einer zubereiteten Kaffeetasse ausmachen. Die Forscher der EMPA kommen zum Schluss, dass das wichtigste Kriterium eine bewusste Wahl des Kaffees ist. Wer Wert auf einen umweltbewussten Kaffeekonsum lege, solle auf Kaffee mit entsprechenden Nachhaltigkeitslabels setzen.

Die Studie wurde im Jahr 2011 veröffentlicht.

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